Interview mit Plastikfreie Stadt

Datum
11.01.2022

Ich war zu Besuch bei Plastikfreie Stadt und habe mich mit Samuel und Franziska über die Initiative unterhalten.

Interview mit Plastikfreie Stadt

Marc: Stellt doch mal das Projekt vor.

Samuel: Also das Projekt ist eine Initiative, die wir 2019 hier in Rostock ins Leben gerufen wurde und anfänglich haben sich sechs Unternehmen hier in Rostock gefragt, wie wir eigentlich unser Verbrauch von Einweg Plastik sichtbar machen können. In der Folge auch messbar und vermeidbar. Und das war das Ziel. Wir haben uns gemeinsam Gedanken gemacht und herausgekommen ist eine Plastik Inventur, die wir jetzt in mehreren Städten in Deutschland mit Unternehmen, Organisationen, Schulen, Stadtverwaltungen in Angriff nehmen.

Marc: Wie wollt ihr das messen, die den Plastik Verbrauch oder eine Plastik Einsparung?

Samuel: Zunächst mal müsste man ja definieren auf was wir es abgesehen haben. Es ist wirklich Einwegplastik, oder Artikel die nach der ersten Nutzung dem Werkstoff Kreislauf in der Regel wieder zugeführt werden. Und wir wissen ja quasi aus vielen Berichten, dass eben viel davon auch thermisch verwertet wird, also verbrannt und eben kein wirklicher Werkstoff am Ende mehr ist, sondern einfach nur Energie daraus gewonnen wird. Konkret würde das bedeuten, dass wir unser Augenmerk und den Fokus auf Tüten zum Beispiel richten. Strohhalme werden Klassiker, in der Gastronomie, die aber auch auf EU-Ebene schon geregelt sind. Was könnte noch so sein? Druckerpatronen zum Beispiel im klassischen Sinne, wenn man die nach der ersten Nutzung entsorgt und nicht wieder befüllt. Und genau diese Sachen werden eben in einer großen Tabelle zusammengeführt, über mehrere Etappen in den Unternehmensbereichen. Wir haben das in neun Bereiche aufgeteilt und die Unternehmen können dann wirklich einmal ins Detail gehen und sagen Hey, in dem Bereich zum Beispiel Büro haben wir 25 Sachen, die wir nur einmal benutzen und dann wegwerfen, die aus Kunststoff sind und skalieren das aufs Jahr hoch.
Und wenn du dann einmal siehst, wie viele davon mit welchem Gewicht zu Buche schlagen, da fangen die meisten Leute ganz alleine an zu denken, wie man das in den Griff kriegen kann.

Marc: Wie helft ihr den Firmen dabei? Wie stellt ihr das konkret an?

Samuel: Also für die Inventur sind wir nicht direkt in den Unternehmen? Da vertrauen wir auf einen ganzheitlichen Blick darauf. Aber den schärfen wir natürlich durch die Tabelle, die schon durch viele andere Unternehmen gegangen ist und eigentlich organisch wächst. Also jede Firma, die dazu kommt, hat noch mal den Fokus auf einen anderen Bereich oder benutzt andere Produkte, die dann in die Tabelle eingepflegt werden und die nachkommenden Unternehmen zur Verfügung stehen. Und das ist eine Form der Hilfestellung. Die zweite Form der Hilfestellung ist, dass wir Tandem Partner zusammenfügen, also auch branchenübergreifend, was die Perspektive total aufmacht. Es kann sein, dass ein Hotel mit einem kleinen Café zum Beispiel zusammenarbeitet oder gar einer Friedhofs-Gesellschaft. Da sind dann Perspektiven auf einmal, die aufeinanderprallen, die zu Bereicherung führen und den Blick noch mal öffnen. Eine dritte Form, die man hier nennen könnte, wären digitale Sprechstunden, die wir in regelmäßigen Abständen anbieten. Da kommen also überregional Unternehmen zusammen, die sich über Erfolge und Misserfolge austauschen und über Varianten und Maßnahmen, die sie ergriffen haben.

Marc: Franziska, könnt ihr schon die ersten Erfolge messen oder wie sieht der aktuelle Stand aus?

Franziska: Also in Rostock ist es momentan so, dass 18 Unternehmen am Plastikfrei Prozess teilnehmen, zum Beispiel das Architekturbüro INROS LACKNER SE. Und die haben jetzt gerade ihr erstes Level auf der Plastikfrei Skala erreicht. Die Plastikfrei Skala ist quasi unsere das Kommunikations wirksame Tool, mit dem man seinen Erfolg im Plastikssparprozess nach außen tragen kann. Das ist geteilt in drei Levels. Das erste Level sind 10 Prozent Einsparung. Das ist die Mindesteinsparung, mit der man Teil der Plastikfolien werden kann. Zweite Level 50 Prozent und das dritte Level 80 Prozent. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Unternehmen durchaus erreichen, teilweise auch schon in den ersten drei Monaten der Teilnahme. Um nochmal auf das Beispiel zurückzukommen INROS LACKNER, die glaube ich jetzt circa 30 prozentige Einsparung an Plastik vermessen können und somit die das erste Level haben. Es gibt aber auch zahlreiche andere Beispiele, wie zum Beispiel das Radisson Blue Hotel hier in Rostock, die ihre Shampoo Fläschchen, die kleinen einweg Fläschchen durch wieder befüllbare Gefäße ausgetauscht haben.

komplettes Interview

Das komplette Interview könnt ihr bei LOHRO hören: zum Interview mit Plastikfreie Stadt

Marc Borkowski
Autor: Marc Borkowski

Ich bin in Berlin geboren und habe mich in eine ruhigere Stadt verkrümelt, Rostock. Ich habe mehrere Jahre Erfahrung im Bereich Frontend und bilde mich aktuell im grafischen Bereich weiter. Meine Zukunft sehe ich beim gestalterischen Web.

Kontakt

E-Mail: moin@boolie.org | Über mich Seite

Twitter logoInstagram logoYouTube Logo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare anschauen
Kommentare (0)